Wachstum gestalten: Was Start-ups und Designer voneinander lernen können
Großartige Ideen sind nur der Anfang. Von Deep-Tech-Innovationen bis hin zu nachhaltiger Mobilität – Start-ups brauchen mehr als nur Technologie, um erfolgreich zu sein. Wolfgang Wagner von Design3 erklärt, warum Designer oft zu strategischen Partnern werden – und wie beide Seiten profitieren.
Von Quantencomputern über intelligente Thermostate bis hin zu preisgekrönten Mobilitätslösungen – einige der spannendsten Innovationen fangen ganz klein an. Als Jurymitglied des iF DESIGN AWARD und geschäftsführender Gesellschafter von Design3 hat Wolfgang Wagner beide Seiten des Innovationsprozesses kennengelernt: Er bewertet herausragendes Design und unterstützt Start-ups dabei, ambitionierte Ideen auf den Markt zu bringen. Wir sprachen mit ihm über Zusammenarbeit, Kreativität und die Realitäten hinter dem Erfolg von Start-ups.
Design3 hat in den letzten Jahren mit einer Reihe von Start-ups zusammengearbeitet. Was ist das Besondere?
Wolfgang Wagner: Auf jeden Fall. Die Zahl der Anfragen von Start-ups hat im Laufe der Jahre deutlich zugenommen, und ich finde diese Kooperationen unglaublich spannend. Jedes Start-up bringt eine andere Herausforderung, ein anderes Geschäftsmodell und meist einen sehr leidenschaftlichen Gründer mit. Diese Ideen zu erkunden und die Menschen zu verstehen, die dahinter stehen, ist immer bereichernd.
Beim Design geht es im Grunde darum, Probleme zu lösen. Bei Start-up-Projekten haben wir oft die Möglichkeit, diese Probleme auf einer viel umfassenderen Ebene anzugehen. Die Gestaltung eines Produkts ist nur ein Teil der Arbeit. Ebenso wichtig ist es, als Sparringspartner bei strategischen Fragen zu fungieren – manchmal sogar die Realisierbarkeit einer Idee oder eines Geschäftsmodells in Frage zu stellen. Diese umfassendere Einbindung macht die Arbeit sowohl herausfordernd als auch sinnvoll.
Mit welchen Arten von Start-ups haben Sie bisher zusammengearbeitet?
WW: Das Spektrum ist überraschend breit. Wir haben mit Gründern zusammengearbeitet, die keinerlei Erfahrung in der Produktentwicklung hatten und einfach nur eine Idee zum Leben erwecken wollten. Wir haben mit Universitäts-Spin-offs und mit etablierten Unternehmen zusammengearbeitet, die in völlig neue Geschäftsfelder vorstoßen. Die Projekte selbst sind ebenso vielfältig: Sie reichen von intelligenten Thermostaten (Vilisto) über Quantencomputersysteme (Photonic) bis hin zur Ladeinfrastruktur für E-Bikes (Jordan/Friwo). Derzeit sind wir auch an Projekten im Bereich der Kochrobotik, bei Beauty-Tech-Innovationen und in der Motorsportanalyse beteiligt. Kein Projekt gleicht dem anderen.
Inwiefern unterscheiden sich Start-ups von etablierteren Kunden?
WW: Die meisten Start-ups verfügen noch nicht über die Strukturen, auf die sich größere Unternehmen stützen. Die Entscheidungsfindung verläuft in der Regel viel schneller, und die Kommunikation ist weitaus direkter. Das ist ein großer Vorteil, da Ideen so zügig umgesetzt werden können. Gleichzeitig bedeutet dies oft, dass wir eine größere Rolle beim Projektmanagement und bei der Koordination übernehmen. Dieser Beitrag wird häufig unterschätzt, kann aber entscheidend für den Erfolg eines Projekts sein. Erfahrung wird in solchen Situationen zu einem echten Pluspunkt.
Gibt es verbreitete Vorurteile, die Start-ups in Bezug auf Design und Produktentwicklung haben?
WW: Die meisten Gründer wissen bereits, dass Design für den Markterfolg unerlässlich ist. Was jedoch oft unterschätzt wird, ist, wie viel Arbeit noch zu leisten ist, wenn ein Produkt scheinbar „fast fertig“ ist. Die Umsetzung eines vielversprechenden Konzepts in ein Produkt, das in großem Maßstab und zu wettbewerbsfähigen Kosten hergestellt werden kann, ist ein langer Weg. Technik, Tests, Produktion, Lieferketten, Skalierbarkeit und mehrere Iterationsrunden spielen dabei eine entscheidende Rolle. Gutes Design endet nicht mit einem schönen Konzept – es setzt sich bis zur Umsetzung fort.
Welchen Rat würdest du Designern geben, die mit Start-ups zusammenarbeiten möchten?
WW: Seid aufgeschlossen. Einige der interessantesten Projekte beginnen mit Ideen, die zunächst unkonventionell oder unrealistisch erscheinen. Jedes erfolgreiche Unternehmen hat klein angefangen. Gleichzeitig ist Ehrlichkeit wichtig. Wenn ihr nicht an die Idee oder an die Menschen dahinter glaubt, ist es für beide Seiten besser, das frühzeitig anzuerkennen. Ein weiteres immer wiederkehrendes Thema ist die Finanzierung. Start-ups verfügen selten über unbegrenzte Ressourcen, insbesondere bei langen Entwicklungszyklen. In manchen Fällen werden Designer möglicherweise gebeten, durch angepasste Honorarmodelle einen Teil des finanziellen Risikos mitzutragen. Wenn das der Fall ist, kann es sich lohnen, bereits frühzeitig über eine Beteiligung am zukünftigen kommerziellen Erfolg zu sprechen.
Wenn du die Beziehung zwischen Designern und Start-ups in einem Satz zusammenfassen müsstest, wie würde dieser lauten?
WW: Die besten Kooperationen mit Start-ups entstehen, wenn Designer bereit sind, über die Gestaltung von Produkten hinauszugehen und zu vertrauenswürdigen Partnern bei der Gestaltung des Unternehmens selbst zu werden.